Anlagepolitik – Kranke Staaten, gesunde Unternehmen

Ökonomie

Der Entschuldungsprozess in den alten Industrieländern wird das Wirtschaftswachstum über mehrere Jahre schwächen und in Europa zu einer langjährigen Stagnation führen. Statt Reformen (Privatisierungen, Senkung von Staats- und Steuerquoten, Abbau von Regulierungen) rigoros anzugehen, negieren die führenden Politiker der Währungsunion die Ursachen der Krise. Die negative Schuldzinsspirale einzelner Staaten kann mittlerweile kaum mehr gestoppt werden, womit das Insolvenzrisiko kontinuierlich ansteigt. Mehrere südeuropäische Länder werden 2012 nur durch weitere Kredite resp. Schulden vor einer Zahlungsunfähigkeit geschützt werden können.

Im Gegensatz dazu ist das homogene Nordamerika in einer ungleich besseren Situation, da es nebst liberalen Strukturen über die eigene Währungshoheit verfügt. In den Schwellenländern darf trotz abnehmender Dynamik von anhaltendem Wachstum ausgegangen werden.

In aller Regel gehen einschneidende Entschuldungsprozesse mit grossen sozialen Unruhen einher. Als letztmöglicher Ausweg könnte der Versuch stehen, eine solche Unrast durch die Aufhebung eingeleiteter Sparmassnahmen bei gleichzeitig unkontrollierten und überhöhten Sozialleistungen temporär einzudämmen (Inflationierung). Die entscheidenden Fragen sind ob und wann die deflationäre in eine inflationäre Phase kippt.

Mit der Anbindung des Frankens an den Euro hat die SNB ein neues Kapitel aufgeschlagen. Es besteht das latente Risiko, dass der Schweizerfranken gemeinsam mit dem Euro zu einer global betrachtet weichen Währung wird. Die Gefahr wäre z.B. dann akut, wenn ein grosses Mitglied der Währungsunion in Zahlungsschwierigkeiten geraten würde. Um dem Risiko zu begegnen, müsste die SNB die Wechselkurs-Untergrenze periodisch um die Teuerungsdifferenz bereinigen.


Anlagepolitik

Historisch betrachtet sind Aktien heute auffallend tief bewertet und widerspiegeln die schwachen Absatzaussichten in der alten Welt in überwiegendem Ausmass. Erstklassige, global tätige Konzerne mit nachhaltiger Dividendensicherheit sind im herrschenden Umfeld die beste Langfristanlage. Diese werden der Prämisse des nachhaltigen Kaufkrafterhalts in Krisenzeiten am besten gerecht. Zudem bieten sie den bestmöglichen Schutz vor allfälliger Inflationierung und verfügen aufgrund der attraktiven Bewertung über ein sehr grosses langfristiges Kursgewinnpotenzial. Man darf nicht vergessen, dass der europäischen Schuldenkrise die dynamischen Märkte der Schwellenländer mit einer rasch wachsenden Mittelschicht gegenüberstehen.

Die hiesigen Zinsen werden vorerst tief bleiben. Global betrachtet, befinden wir uns in einer klar deflationären Phase. Deshalb sind auch sichere und nachhaltige Ertragsbringer wie langfristige Anleihen attraktiver Währungen ausserhalb des Euroraums gesucht.


Eine Schwächung des Schweizerfrankens hätte aus Anlegersicht auch positive Seiten. Erstmals winken seit Jahrzehnten stattliche Devisenkursgewinne und die steigenden Auslandguthaben der Gesellschaften dürften sich positiv auf die Aktienkurse auswirken.

Jede Krise ist gleichzeitig auch Bereinigung, jede Krise hat ihre Endzeit! Entscheidend für den Anlageerfolg ist eine breite Diversifikation sowie erstklassige Qualität.

Zürich, 9. Januar 2012